Es wird Zeit, dass ich das mal öffentlich im Web sage:
“Ich heiĂe Eddy und bin Sprayoholiker”
Meine Bekannten wissen es ja, aber jetzt bekenne ich mich mal auch hier dazu: ich bin ein Nasenspray-Junkie, also sĂŒchtig nach Nasenspray. Schon seit vielen Jahren nehme ich dieses Zeug jeden Tag. Wie oft? Keine Ahnung. Das ist wie mit dem Kettenrauchen. Man benutzt es als SĂŒchtiger oft ganz automatisch, also unbewusst, so dass man sich beim ZĂ€hlen garantiert verhauen wĂŒrde. Wenn ich schĂ€tzen mĂŒsste, wĂŒrde ich sagen, dass ich mir mindestens 10-mal pro Tag die Dosis verpasst habe. Kann aber eben auch viel mehr sein. Ein FlĂ€schchen reicht da jedenfalls nicht mal eine Woche.
Achtung Suchtgefahr! …ja, na und?!
NatĂŒrlich haben mich Freunde, Kollegen und auch zahlreiche Apotheker(innen) immer wieder vor dem regelmĂ€Ăigen Gebrauch der Nasenspray-Droge gewarnt.
Wenn ich aber zum Beispiel in der Apotheke auf den freundlichen Hinweis, das Spray auf jeden Fall nur wenige Tage zu verwenden, mit einem kurzen “Zu spĂ€t!” antworte, blicke ich immer in zum Teil erstaunte, aber in jedem Fall komplett rat- und hilflose Gesichter. – Und natĂŒrlich hat mir daraufhin noch niemand den Verkauf meiner Droge verweigert.
Nichtraucher werden ist leichter
Einer der Apotheker hat mir mal gesagt, dass die Entwöhnung vom Nasenspray schwieriger sei, als mit dem Rauchen aufzuhören. Seine mir einleuchtende BegrĂŒndung: beim Rauchen gibt es kaum körperliche Entzugserscheinungen. Das ganze Drama spielt sich nur im Kopf ab. Der Körper hat schon nach zwei bis drei Tagen keinen Nikotin-Bedarf mehr. Also eine psychologische Angelegenheit! Beim Nasenspray-Entzug hingegen gibt es echte, physische Entzugserscheinungen: die NasenschleimhĂ€ute schwellen stark an und die Nase ist ruck-zuck “dicht”, wenn sie ihr Spray nicht bekommt, bzw. die Wirkstoffe, die darin enthalten sind (Die heiĂen ĂŒbrigens Xylometazolin & Oxymetazolin. Die können BlutgefĂ€Ăe verengen und auf diese Weise die SchleimhĂ€ute abschwellen lassen).
Wenn die Nase zu ist, dreh ich völlig durch! Das können Nicht-SĂŒchtige kaum nachvollziehen. Wenn die Nase erst mal zu ist und ich kein Spray dabei habe, dann werde ich regelrecht verrĂŒckt. Es dauert nicht lange, bis ich dann auch Kopfschmerzen bekomme. Und durch den Mund atmen hilft da ĂŒberhaupt nicht. Einschlafen ohne vorher die Nase zu sprĂŒhen? Absolut undenkbar! Und falls ich nachts âmal raus mussâ, wird natĂŒrlich nachgesprĂŒht, um weiterschlafen zu können. Es ist echt gruselig.
Wer Nasenspray sĂŒchtig ist, der nimmt in Kauf, dass er seine SchleimhĂ€ute zerstört. Er macht weiter, obwohl man ihm gesagt hat, dass seine Nase irgendwann ganz fĂŒrchterlich zu stinken anfangen wird: …Na und? Da wird es dann schon irgendeine Lösung geben. Raucher kennen auch alle Gefahren â steht ja inzwischen groĂ genug auf jeder Schachtel â und zĂŒnden sich trotzdem eine Kippe nach der nĂ€chsten an. Ich weiĂ das, denn ich war selbst Kettenraucher.
Ersatzdrogen helfen nicht
Beim Entzug vom Nikotin gibt es eine Reihe von Hilfsmitteln wie besondere Kaugummis oder spezielle Entwöhnungs-Zigaretten. So etwas ist beim Nasenspray-Entzug nicht möglich. Hier hilft kein Pflaster auf der Haut oder ein Ersatz-Spray auf Meersalz-Basis, aber ohne den speziellen Wirkstoff. Die Schleimhaut kann nur durch Verabreichung der Droge unter Kontrolle gehalten werden.
Es gibt also nur den kalten Entzug vom Spray. Und der soll bis zu 14 Tagen dauern. Das hat mir eine mal eine ehemalige Arbeitskollegin berichtet, die es selbst geschafft hatte. Weiter hat sie erzĂ€hlt, dass man in dieser Zeit die WĂ€nde hoch geht, sich die FingernĂ€gel abkaut und dergleichen mehr. Auf jeden Fall sei man ungenieĂbar fĂŒr die Umwelt. Das sollte man mit dem Partner (und evtl. Kollegen) auf jeden Fall vorher besprechen.
Ich will clean werden

Heute ist der dritte Tag, an dem ich âtrocken binâ. Okay, der Tag ist nicht mal zur HĂ€lfte ĂŒberstanden. Aber immerhin! Schon ĂŒber 48 Stunden hab ich das Zeugs nicht mehr angerĂŒhrt. Es befindet sich natĂŒrlich immer noch ein FlĂ€schchen am Bett, zwei sind im Badezimmer, eins ist in meiner Jackentasche, eins im Auto und weitere zwei im Vorratsschrank. Aber die sind da nur aus psychologischen GrĂŒnden. Das GefĂŒhl, sofort sprĂŒhen zu können, wenn ich âmussâ, ist irgendwie beruhigend.
Und was soll ich sagen: bis jetzt klappt es viel besser, als ich erwartet habe! Meine Nase ist nicht so richtig frei und die SchleimhĂ€ute sind stĂ€ndig etwas angeschwollen. Das stört mich und der Drang, dies einfach âweg zu sprĂŒhenâ ist noch ziemlich stark. Aber ich widerstehe bis jetzt erfolgreich. Und ich habe fest vor, es weiter durch zu ziehen. Gestern hab ich mal eine Aspirin genommen. Ob die Kopfschmerzen vom Entzug kamen oder eine andere Ursache hatten, kann ich aber nicht sagen.
Ich möchte es schaffen und ich werde davon berichten. Wenn Du evtl. auch betroffen bist und Dich austauschen willst, dann schreib mir einfach. Ich wĂŒrde mich freuen! Noch eins zum Schluss: in der Apotheke erwĂ€hnte ich vorgestern, dass ich auf Entzug bin und das Spray nur kaufe, um es aus psychologischen GrĂŒnden dabei zu haben, schaute ich wieder einmal in ein ratloses Gesicht: âDas hat bislang noch keiner gesagt!â
Nachtrag vom 23.12.2013
Inzwischen ist der Beitrag ĂŒber 3 Jahre alt. In dieser Zeit haben sich hier viele Gleichgesinnte gemeldet und per Kommentar Ihre Geschichte erzĂ€hlt oder um Rat gefragt. Da man in einem Blog die Kommentare nicht sauber strukturieren kann, wurde es dadurch immer unĂŒbersichtlicher. Und auĂerdem ist das hier ja ein Lauf- und kein Nasenspraysucht-Blog đ Darum habe ich fĂŒr das Thema Nasenspray-Sucht eine eigene Plattform gebaut. Es handelt sich um ein Forum und bietet die entsprechenden Vorteile fĂŒr einen direkten Austausch.
Alle Kommentare, die zuvor hier veröffentlicht waren, habe ich in das Forum verschoben und kategorisiert.
Nachtrag vom 03.12.2024
Nach mehr als zehn Jahren habe ich heute schweren Herzens das Nasenspraysucht-Forum gelöscht. Grund dafĂŒr ist, dass die Angriffe von (KI-) Bots und die Versuche, Schadcode zu installieren, so stark zugenommen hatten, dass ich nicht mehr in der Lage war, die unzĂ€hligen Spam-BeitrĂ€ge immer wieder zeitnah zu löschen.
Es tut mir schrecklich leid, aber ich musste diesen Schritt gehen, weil zu viel Zeit dafĂŒr nötig war, die ich fĂŒr meine anderen Projekte dringender benötige.
Darum meine Bitte und mein Appell:
Wenn Du Nasenspray sĂŒchtig bist…
… dann such Dir unbedingt UnterstĂŒtzung von einem Arzt Deines Vertrauens. Mach das nicht mit dir alleine aus, sondern lass dir helfen.
Ich wĂŒnsche Dir alles Gute!






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